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Aus in der Vorrunde

So fühle ich mich gerade. Und dass die FußballWM Jahre nicht meine Jahre sind, dass weiss ich seit 2006.

Irgendwie habe ich es geschafft, seit 2 Wochen so richtig schön krank zu sein. Ich hab mich überpaced und mal wieder versucht für die falsche Sache FIt zu werden.

Letzte Woche Dienstag wurde ich krank. Ich hegte und pflegte mich, damit ich freitag zu meiner Joe fahren kann und am Samstag den Auftritt spielen kann. Genug Zeit war ja da, um gesund zu werden. Tja,...

Bis am Samstagvormittag habe ich zu hause laboriert und meiner Freundin, die gerade im Prüfungstress ist, nach Eisenach zu kommen, wenn ich fit bin. Ansonsten sollte ich noch ne weile warten. Hatte ja eh Urlaub.

Am Samstagmorgen fühlte ich mich körperlich gut, aber was war mit meiner Seele passiert. Wahrscheinlich wollte sie mich warnen. Ich fuhr trotzdem Los.
Ich fuhr früher los als sonst, damit ich mir zeit lassen konnte, beim fahren. Ich machte rast bei einer Raststätte schaute in sämtliche spiegel und wusste, dass da noch irgendwas in mir ist, was mir noch probleme machen würde.

In eisenach angekommen war ich nur noch ein Häufchen elend. Eingeschüchtert, schwach, nervös: KRANK.

Joe hatte andere Dinge zu tun als einen KRanken Mann zu pflegen. Nun war ich aber nicht nur krank, sondern hatte noch einen AUftritt um 20 Uhr zu spielen. Bezahlt wohlgemerkt.

Ich ging aufs Klo, sah wieder in diesen Spiegel. Ich wollte kotzen aber es ging nicht. "Ich sag den Auftritt für heute abend ab. Ich kann nicht spielen. Nicht so!"

Ich hatte kurz vorher versucht die einfachsten sachen mit der Gitarre zu spielen und zu singen. Nach jedem Akkord hatte ich kleine Nervenzusammenbrüche. Es ging einfach garnichts mehr. Ich musste absagen. Meine Freundin lernte derweil fleissig und meinte nur ich solle mich nicht so haben, ich wäre ja auch nur ein mensch.

Also hab ich den veranstalter angerufen. Der war natürlich völlig ausser sich und hatte mich schon bei allen angekündigt. Das hatte er mir fast jeden tag erzählt, seit letzter woche. Vielleicht war das alles etwas zu viel.

"Johnny, und wenn du erst um 22 Uhr anfängst. Aber du musst auf jeden Fall spielen. Ich schick dir die Besten Ärzte und einen Fahrdienst, damit du saufen kannst. Aber komm verdammtnochmal und spiele!"

Tja, was tun? Meiner Freundin wollte ich als kränkelndes Wesen nicht zu last fallen. Sie hatte nicht besonders viel mitleif für mich übrig. Dann lieber in Behringen vor versammelter Mannschaft versagen. WObei ich in meinem Leben noch keinen AUftritt richtig in den Sand gesetzt habe, zumal ich auch besser bin als früher, was meine Krafteinteilung angeht.

Ich erschien in Behringen, gegen 20:15. Auf der Fahrt, ich wünschte mir sie würde nie enden (10 MInuten) hatte ich mehrere Krisen und ich dachte immer wieder nur "Heut stirbst du auf der Bühne, weil du nich NEIN sagen kannst!"

Ich wurde erwartet. Der Veranstalter kam zu mir "100000 Steine fallen mir gerade vom Herzen. Die Leute saufen schon die ganze Zeit, und ich hab mich nicht getraut zu sagen, dass du nicht kommst."

"Carsten, ich brauch schnaps und einen Schlafplatz. Ohne das Läuft hier garnichts!"

Natürlich hatte ich somit alle Freiheiten. Hauptsache war dass ich spiele.
Nach dem Soundcheck, der vor versammelter Mannschaft stattfand. Kam einer, der mir 200 Euro und eine Quittung übereichte. "Soll ich nicht lieber erstmal spielen, und ihr gebt mir dann das was ich am ende ncoh wert war?"

"Wenn das alls so klingt wie der Soundcheck, dann ist es schon okay so!"

Was war nur los mit mir. Meine Arme waren so schwer. Meine Stimme hing ein bisschen in mir drinnen.

Ich ging auf die Bühne, stellte mich vor und begann zu spielen. Und es funktionierte. Vorher hatte ich mir zwei schnäpse reingezogen. Ich bin mir sicher, dass es ohne die schnäpse nicht funktiniert hätte. da ich eh krank war, zeigten sie auch schnell wirkung. Meine Stimme jedoch schien so nach und nach stärker zu werden. das publikum hatte ich recht schnell im griff, und lachte, wenn mir die Frau in der ersten Reihe immer das Bier brachte.

Klar, das durfte ich. Denn ich war ja krank. Das erwähnte ich auch nach jedem lied. Das publikum fand das witzig.

Johnny: Tja wie gesagt, ich steh heut durch ganz großes Glück auf der Bühne. Weiss nicht ob ich es schon erwähnt habe, denn eigentlich bin ich ja...

Publikum: KRANK.

So nach und nach hatte ich richtig spaß ander sache. Fast 2 Stunden spielte ich. Ich bin schizophren, denke ich. Im ernst.DA ist eine Stimme die regelmäßig verzweifelt, und die andere Die mich nach Vorne treibt. Die verzweifelte Stimme lässt mich lieben, und die andere lässt mich Leistung bringen.

In dieser WOche kamen sie sich wohl in die Quere. Nach dem Auftritt schlürfte ich mein, Bier. Natürlich unterhielt ich mich noch mit ein Paar Leuten: "Aber sie fahren heute nicht mehr oder. SIe haben ganz schön viel getrunken!"
Das sagte einer der selber ein Bier in der Hand hatte. Der ganze Saal war eh am Saufen. Wahrscheinlich waren die Leute geschockt, dass ich das zeug so emotionslos in mich reingegossen habe.

Ich ging aufs Zimmer und ware einfach nur FERTIG. Das war es, ich hatte es überlebt.

Am Nächsten Tag sag ich mir den THüringer Wald an. Wir wanderten mir ein Paar leuten durch den Baumkronen Pfad. Es regnete. Ich war ja eh schon Krank. Aber ich war auch schon auf dem Weg zu besserung. Irgendwie hatte ich aber das gefühl einen rückschlag zu erleiden.

Als ich bei meiner Freundin ankam, war diese gerade mit dem DUschen fertig. Aber sie konnte sich nicht weiter um mich kümmern. Sie musste lernen. Ich vertrieb mir die Zeit auf dem Balkon, mit einem Bier und Zigaretten. Denn ich war ja eh schon krank. UNd ich merkte, was die Steigerung von Krank ist. Nach dem ein oder anderen Disput ging meine Freundin ins Bett. Als ich hinterher wollte meinte sie nur "Da hinten steht das Bier!" Hm, wahrscheinlich ist sie es von mir nicht anders gewohnt. DAnn musste ich wohl weiter Trinken.

Ich sah mir die Fussballzusammenfassung an, würgte mir ein Bier rein, und ging dann aber auch ins Bett.

Tja, ich habe jetzt ein Dickes gefülltes Portmonnaie und einen Hals voll mit Grünem Schleim. Ich bin mittlerweile wieder zu hause, weil ich hier eventuell noch zu Genesung finde. Ich bin am Ende. Wie letzte woche dienstag schon. Ich hoffe dass das alles wieder ins Reine kommt, und dass endlich wieder die Sonne scheint, die ich so sehr brauche. Ich denke es soll gerade alles so sein wie es ist.

Hab mich ehrlich schon schlechter gefühlt, aber der ernst der Situation, der wird mir tag für tag bewusst.

Schaun wir mal.

Hust

12.5.10 15:05, kommentieren